Erster Stadtspaziergang mit OB Vetrano: Spannungsfeld zwischen dichter Bebauung und Flächenverbrauch

70 neue Bäume im Rathausumfeld, 85 zusätzliche Wohnungen an der Iringheimer Straße und 90 auf dem Oase-Areal, Tagespflege und Wohngruppen für pflegebedürftige Menschen: Wie viel sich allein in dem relativ kleinen Bereich zwischen Rathaus und dem Baugebiet Schneeflären gerade verändert, hat Oberbürgermeister Toni Vetrano beim ersten Stadtspaziergang 27 Kehlerinnen und Kehlern gezeigt und erklärt. Mit dabei war auch der neue Kehler Beigeordnete Thomas Wuttke, der am 1. September seinen Dienst antritt. Dichte der Bebauung und Flächenverbrauch, Stadtklima und Parkplätze waren Themen, welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angesprochen haben. Für den nächsten Stadtspaziergang gibt es bereits einen Termin: Freitag, 11. Oktober, 15 Uhr.

Rathausumfeld

7000 Quadratmeter Fläche misst das Rathausareal, das im Zuge der Ankunft der Tram an ihrer Endhaltestelle vor dem Rathaus im vergangenen Jahr komplett umgestaltet wurde. Vom Ende der Fußgängerzone bis zur Einmündung der Oberländerstraße in die Hauptstraße, von der Sparkasse bis zur Friedrichstraße, wurden die Oberflächen durch gelben Asphalt, Pflaster oder Rheinkieselfelder erneuert. 70 neue Bäume seien hier gepflanzt worden, berichtete OB Vetrano am Startpunkt des Stadtspaziergangs und wies auch auf das hin, was man nicht mehr sieht: Wasserleitungen und Abwasserkanäle sind erneuert worden, Fernwär-meleitungen zu den Rathäusern wurden ebenso verlegt wie Leerrohre für das digitale Stadtnetz und Beleuchtungskabel.

Startpunkt für den Stadtspaziergang war das neugestaltete Rathausumfeld.zoom

124 öffentliche Fahrradabstellplätze sind entstanden sowie 42 weitere für die Mitarbeitenden in den Rathäusern; auch eine Ladebox für E-Bikes ist vorhanden. Zur bestehenden Ladesäule für zwei E-Autos soll noch eine weitere hinzukommen berichtete Toni Vetrano. Die neuen Überdachungen im Rathausumfeld haben alle begrünte Dächer; außerdem seien 5000 Stauden, Sträucher und Blumenzwiebeln gepflanzt worden; das Regenwasser von der Fläche zwischen dem Rathaus I und dem Polizeigebäude werde umweltfreundlich über eine Versickerungsmulde in den Untergrund geleitet. Der Kostenrahmen, sagte Toni Vetrano, sei eingehalten worden; insgesamt habe die Stadt zwei Millionen Euro an Eigenmitteln für die Umgestaltung des Rathausumfeldes ausgegeben.

So könnte die in ein Gebäude integrierte alte Zollburg auf dem Oase-Areal aussehen.zoom

Oase-Areal

Auf dem ehemaligen Oase-Areal, das seinen Namen einem früheren Tanz- und Nachtclub zu verdanken hat, wird die Orbau-Projektgesellschaft insgesamt 90 Wohnungen errichten, darunter elf geförderte Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen. Die ersten Bewohner sollen 2021 einziehen können. Die noch vorhandenen und unter Denkmalschutz stehenden Reste der alten Zollburg sollen laut Planungen in eine Wohnlage für ältere Menschen integriert werden – es ist vorgesehen, dass Teile davon für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Dass die – aus ihrer Sicht sehr teuren – Parkplätze in der Tiefgarage ausreichen würden, bezweifelte eine Teilnehmerin am Stadtspaziergang, schließlich sei durch die Bebauung des Areals ein wichtiger Parkplatz für das Krankenhaus weggefallen.
Kehl habe kein Parkplatzproblem konterte Toni Vetrano: Auf dem Lägerparkplatz könne man beispielsweise sein Auto für zehn Euro pro Monat abstellen, das neue Stadtbussystem, die Tram und die Ortenau-S-Bahn könnten Alternativen zum Zweitwagen sein, argumentierte er. Weil in der Innenstadt Beschäftigte kostenfreie Parkplätze in den Wohnstraßen blockierten, arbeite die Verwaltung an einem Konzept fürs Anwohnerparken.

Die künftige Bebauung des Oase-Areals aus der Vogelperspektive - auch hier sollen die Dächer begrünt werden.zoom

Wohnbauprojekt Iringheimer Straße

Zusammengenommen das seit Jahrzehnten größte Bauprojekt im Bereich von Wohnungen für Menschen mit geringerem und mittlerem Einkommen legt die Städtische Wohnbaugesellschaft an der Iringheimer Straße und der Vogesenallee auf. Von Sozialwohnungen, wie man sie aus früheren Jahren kannte, möchte OB Toni Vetrano in zweierlei Hinsicht nicht sprechen: „Es werden schöne Wohnungen“, stellt er klar, „und alle haben einen Balkon oder eine Loggia“. Er begrüßt, dass die Einkommensgrenzen für den Erhalt eines Wohnberechtigungsscheins in den vergangenen Jahren deutlich erhöht wurden: Gebaut würden hier Wohnungen „für Polizisten, für Kranken- oder Altenpfleger, für Erzieher oder Friseure oder für Rentner.“

Aus fünf Wohnhäusern und einer Parkpalette setzt sich das Projekt der Städtischen Wohnbau an der Iringheimer Straße zusammen. 85 Wohnungen, von der Ein- bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung werden errichtet.zoom

Etwa die Hälfte der 85 Wohnungen in fünf Gebäuden an der Iringheimer Straße werden geförderte Wohnungen sein, in den fünf Häusern werden sich deren Be-wohner mit denen frei finanzierter Wohnungen mischen – „eine Stigmatisierung wollen wir nicht“, erklärte Toni Vetrano. Günstiger gebaut werden kann durch den Umstand, dass sich jeweils zwei Baukörper gleichen werden wie ein Ei dem anderen – das gilt auch für die Grundrisse der Wohnungen. Parkplätze entstehen in einer Parkpalette, ein Teil davon stehe auch der Öffentlichkeit zur Verfügung, sagte Wohnbau-Geschäftsführer Jurij Kern.
Während die Teilnehmenden am Stadtspaziergang zum einen den Bau von günstigem Wohnraum begrüßten, fürchteten sie zum andern, dass die Frischluft-schneise der Stadt geschlossen werde, wenn die Vogesenallee auf beiden Seiten bebaut werde. Dass die Stadt das Stadtklima im Blick habe, betonte Toni Vetrano an mehreren Stationen des Stadtspaziergangs – Dachbegrünungen, Begrünung von Restflächen, Fassadenbegrünungen – zum Beispiel an der Parkpalette – seien sehr wichtig und würden bereits umgesetzt.

Die Dichte der Bebauung und die Höhe der Gebäude machten die Teilnehmenden am Stadtspaziergang im Baugebiet Schneeflären zum Thema.zoom

Schneeflären

Während an der Iringheimer Straße vor allem über Flächenverbrauch gesprochen wurde, war im Baugebiet Schneeflären die Dichte der Bebauung das Hauptthema. Wohnraum für insgesamt 800 Einwohner entsteht im ersten Bauabschnitt vor allem in Mehrfamilienhäusern, die von Bauträgern oder – in einem Fall – von einer Baugruppe, bestehend aus Kehlerinnen und Kehlern, errichtet werden. Beheizt werden die Wohngebäude in Schneeflären wie auch die der Wohnbau an der Iringheimer Straße über Fernwärme aus dem Blockheizkraftwerk der Wärmegesellschaft Kehl in der Kreuzmatt.
Bei der Planung des Gebiets sei Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema gewesen, erläuterte Toni Vetrano und antwortet auf die Frage einer Teilnehmerin, die fürchtete, dass die zunehmende Bebauung die Hochwasserproblematik in Kehl verschärfe. Gerade in Schneeflären werde das Oberflächenwasser durch ein innovatives Grabensystem geleitet, das zugleich als Grünzone im Wohngebiet gestaltet werde.

Die Teilnehmenden am Stadtspaziergang auf dem Weg zur letzten Station, dem Freibad.zoom

16.08.2019

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